Aktuelle Ausstellung: GRENZENlos

Über meine Arbeit

verfasst von Su-Kyoung Yu und Uli Meyer

Was ist unser ursprüngliches Selbst? Wie sieht es aus, wenn wir unsere Existenz wiederentdecken würden?

Bereits 1987 setzte ich mich mit dem Thema Die Wand auseinander.

Ab 1998 Existenz: Die Wände stehen für seelische Mauern, zu überwindende Hürden, von Schicksal und Realität gestellt. Einerseits trennen sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, andererseits vereinen sie die Dinge in den entstehenden Räumen. Die Übergänge an den Grenzschichten sind offen, mit weißem Licht und dunkler Leere, die räumliche Differenzierung des Ungewissen.

Ab 2002 Koexistenz: Eine Seele existiert nicht ohne ihre Umgebung. Sie ist Teil ihrer Umwelt, aber auch umgekehrt: Die imaginäre innere Präsenz der äußeren Welt. Beides verlangt nach gegenseitiger Akzeptanz, der Koexistenz. Diese logische Fortsetzung des ursprünglichen Konzeptes führte mich 2002 zwangsläufig zu einer erweiterten Bildsprache. Manche Details werden vergrößert, ausgedehnt. Strukturen und Charakter durchdringen die Spalten der Wände.

Ab 2005 Reflektion: Schließlich verspürte ich den Wunsch, den Betrachter ein Teil des Bildes werden zu lassen. Schau mich an, siehst du in mir nicht dich selbst? Das Bild hinter dem Bild entsteht allein durch die Reflektion. Es ist kein Zufall, dass diese vielseitige Serie in einer Phase entstanden ist, in der ich mit meinem eigenen Leben Frieden geschlossen hatte.

Ab 2010 Phänomen: Ausgehend von der Sehnsucht nach ursprünglicher, unbeschwerter kindlicher Neugier und vergessenen Gefühlen ließ ich seit langem erstmals Figuratives zu. Diese Kinder verschmelzen mit dem Hintergrund, szenische Erinnerungen fließen durch einen Raum voll irrealer Erscheinungen. Die Vergangenheit ist nicht in einem Erinnerungsmuseum konserviert, die Erinnerung atmet die Gegenwart, sie bleibt nicht in der Vergangenheit. Scheinbar die Abkehr von meinem strengen Konzept, ist diese Serie die Fortsetzung von Reflektion.

Ab 2013 Hier und Jetzt: In einem meditativen Schaffensprozess versuche ich zwei buddhistische Prinzipien in Einklang zu bringen: Einerseits Achtsamkeit, also Konstruktion, andererseits Zufälle, alles ist im Wandel, also Dekonstruktion.

Ab 2015 Auf dem Weg: Die Kinder, die die imaginären Phänomene entdecken, sind nicht mehr nur das Subjekt, durch das der Betrachter das Imaginäre erfährt. Die Kinder verleihen den toten Gegenständen Stimme, Farbe, Form und Leben. Ein Märchen wird erzählt: Ich artikuliere die Dualität von Abstraktion und Figuration neu.