{"id":2391,"date":"2019-08-13T17:16:53","date_gmt":"2019-08-13T15:16:53","guid":{"rendered":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/?page_id=2391"},"modified":"2020-12-05T12:14:29","modified_gmt":"2020-12-05T11:14:29","slug":"auf-dem-weg-de","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/?page_id=2391","title":{"rendered":"Auf dem Weg [de]"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auszug aus der Einf\u00fchrung von Joachim Albert, Ausstellung <em>\u201cPh\u00e4nomen \u2013 Raum\u201d<\/em>:<\/strong><\/p>\n<p>Der Titel der Ausstellung liest sich zun\u00e4chst wie eine Pr\u00e4sentation, bei der es um die Erscheinungsformen von R\u00e4umen geht, tats\u00e4chlich jedoch darf man den Bindestrich zwischen den beiden Worten nicht \u00fcberlesen, durch den angedeutet wird, dass es dabei um die Nebeneinanderstellung von zwei Begriffen und damit einhergehend der Pr\u00e4sentation von zwei Themen geht: Ph\u00e4nomen \u2013 Raum.<\/p>\n<p>Ich will Ihnen somit jede Position f\u00fcr sich vorstellen und dann sehen, ob es letztendlich nicht doch Bindeglieder gibt, die das Vorhandensein beider Positionen hier im Franck-Haus in Marktheidenfeld nachvollziehbar macht.<\/p>\n<p>Beginnen m\u00f6chte ich mit der aus Korea stammenden Su-Kyoung Yu.<\/p>\n<p>1965 in Kim-Je, S\u00fcdkorea geboren<br \/>\nBereits ab dem 5. Lebensjahr Zeichen- und Malunterricht<br \/>\nStudium der freien Malerei und traditionellen asiatischen Malerei an der renommierten Ewha Women&#8217;s University in Seoul<br \/>\nSeit 1990 lebt sie in Friedberg und leitet eine eigene Malschule<br \/>\nSeit 1987 zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und Korea<\/p>\n<p>Su-Kyoungs Arbeiten hier im Franck-Haus sind im Bereich der Malerei mit Acryl und Tusche angesiedelt, umgesetzt auf gro\u00dfformatigen Leinw\u00e4nden, die auch n\u00f6tig sind, denn ihre Bildwelten und die damit erz\u00e4hlten Geschichten sind von gro\u00dfer Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p>Um jene Bildwelten zu verstehen, gewisserma\u00dfen einen Schl\u00fcssel zu erhalten, um sie betreten zu k\u00f6nnen, bedarf es einer grundlegenden Erkl\u00e4rung zu den hier pr\u00e4sentierten Werkkomplexen.<\/p>\n<p>Die Serie Auf dem Weg, mit deren Umsetzung SuKoung im Jahr 2015 begonnen hat und die den Gro\u00dfteil ihrer Pr\u00e4sentation in der Ausstellung ausmacht, fu\u00dft genau wie die vorangegangene Serie Ph\u00e4nomen (ab 2009) auf einer sehr pers\u00f6nlichen, ein St\u00fcck weit auch autobiografischen Erfahrung und damit einer bestimmten Vorstellung der K\u00fcnstlerin.<\/p>\n<p>Nach dieser Vorstellung geht das Selbst, das urspr\u00fcngliche Wesen des Menschen im Laufe des Werdens immer weiter verloren. Ummantelt vom Ego, das sich wie eine Schutzh\u00fclle um unser Selbst legt und im Kindesalter zu wachsen beginnt, durch \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse geformt und mit der Zeit immer gr\u00f6\u00dfer und fester werdend, wird es im Inneren immer weiter zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und ger\u00e4t irgendwann in Vergessenheit.<\/p>\n<p>\u201eJeder ist sich selbst der Fernste.\u201c, hei\u00dft es in Nietzsches Werk \u201eZur Genealogie der Moral\u201c.<\/p>\n<p>Wir, die Betrachter, betreten jene Welt durch die Eing\u00e4nge, die sich auf einer vierteiligen Arbeit -zu sehen oben auf der Empore- befinden. Das Diesseits ist ein reich gestalteter botanischer Ort mit zahlreichen bunten Pflanzen und gro\u00dfen Trauerweiden, die Su-Kyoung als Geschichtenerz\u00e4hler bezeichnet und vielleicht berichten jene anmutigen Baumriesen dem geneigten Ohr bereits etwas von dem, was hinter den vier Pforten wartet.<\/p>\n<p>In der Welt dahinter findet und entdeckt SuKoung jenes oftmals vergessene oder verloren geglaubte Selbst.<\/p>\n<p>Die Protagonisten jener Welt nennt sie Kinder, androgyn wirkende kleine Wesen. Oftmals muss der Betrachter genau hinsehen, um sie zu entdecken, denn sie verschmelzen wie Cham\u00e4leons mit der Umgebung ihrer Welt, sind manchmal so hauchzart dargestellt, dass sie fast unsichtbar werden. Es scheint beinahe so, als wollen sie in ihrer Reinheit, Unverf\u00e4lschtheit und Urspr\u00fcnglichkeit nicht entdeckt werden. Wer genau hinsieht, merkt, dass ihre Darstellung sich im Laufe der Jahre ver\u00e4ndert. Gingen die Kinder in den fr\u00fchen Arbeiten der Serie Ph\u00e4nomen noch auf ihren kleinen F\u00fc\u00dfen durch jene Welt, sieht man sie in sp\u00e4teren Szenen direkt aus einem Baum, einer Wasserlandschaft oder der Erde herauswachsen, ohne F\u00fc\u00dfe, was sie schwerelos erscheinen l\u00e4sst und eine Verwurzelung mit jener Welt ahelegt, so, als solle sichergestellt werden, dass sie damit auf ewig dort verwurzelt sind.<\/p>\n<p>Sie sind f\u00fcr sich, dann wieder in Gruppen, nebeneinander, beieinander oder miteinander.<\/p>\n<p>In einer Arbeit aus der Serie Auf dem Weg (2016) beobachtet eines dieser Kinder aus einem Baum heraus, sich an einem Ast festhaltend, neugierig eine Gruppe weiterer Kinder, die sich gemeinsam in einem dichten, dunklen Wald befinden. Kleine Lichtpunkte wirken, als w\u00fcrden sie den Kindern helfen, damit die Umgebung zu erkunden. Ein weiteres Kind lehnt f\u00fcr sich an einem Baum, wieder ein anderes steht einer Lichtfigur gleichend f\u00fcr sich und weist den Weg auf jene Stelle, an der sich der dunkle Wald lichtet, der Himmel in einem zarten Blau sichtbar wird und Helligkeit in die Szene bringt.<\/p>\n<p>Die Arbeit hat keinen eigentlichen Fluchtpunkt, vielmehr erscheint ihre Komposition wie das gleichzeitige Nebeneinander mehrerer Szenen, manche dunkler, in geheimnisvollem Schwarz, andere hell in zartem Gr\u00fcn, Gelb und Violett. Diese Gleichzeitigkeit ist ein Merkmal, das sich auch in anderen Arbeiten wiederfindet. Der Raum wird aufgel\u00f6st, die Stille, die Su-Kyoungs Welt ausstrahlt, wird sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Oft grenzen ihre Landschaften an Abstraktion, l\u00f6sen sich in Farbigkeit auf, verlieren an Form. Als Zauberei bezeichnet die K\u00fcnstlerin diese Verwandlung, das Verschmelzen von Gegenst\u00e4ndlichkeit und Abstraktion, und zeigt, dass man nichts festhalten kann \u2013 was eben noch da war, war, was ist, ist und was sein wird, wird sein. Was bleibt, ist nur das Hier und jetzt.<\/p>\n<p>Mit jener innersten Welt steht Sukoung in Verbindung, taucht ein, spaziert durch Vergangenes und l\u00f6st somit auch Zeit auf.<\/p>\n<p>Bei diesem Eintauchen ist Suykoung ausgestattet mit Dingen, Erfahrungen, die sie in jene Welt hineingibt:<\/p>\n<p>So findet man von B\u00e4umen h\u00e4ngende Streifen, an deren Enden sich Steine befinden. Es handelt sich dabei um ein Ritual aus dem koreanischen Schamanismus, bei dem die Steine auf diese Weise an heiligen B\u00e4umen befestigt werden, um den Blick zu sch\u00fctzen auf dem Weg durch die Welt und so bringen sie auch jenen kleinen Wesen Schutz. Religi\u00f6se Elemente existieren auch in anderen Arbeiten, etwa in Form des dichten Beisammenseins einer Moschee, einer Kirche und einem buddhistischen Tempel auf einem Berg \u2013 eine pers\u00f6nliche, durchaus kritische Stellungnahme der K\u00fcnstlerin zum Anspruchsdenken der einzelnen Religionen.<\/p>\n<p>Der Huangshan, der Gelbe Berg, eine chinesische Sehensw\u00fcrdigkeit im S\u00fcden des Landes und ein Motiv, das Sukyoung so oft w\u00e4hrend ihrer k\u00fcnstlerischen Ausbildung malen musste, findet sich an jenen Orten der Sehnsucht genauso wie durch die Malerei der Romantik inspirierte Landschaften, die einen an Bilder von Caspar David Friedrich denken lassen.<\/p>\n<p>Immer wieder kann man Nivellierlatten und Winds\u00e4cke entdecken, damit keiner die Richtung verliert, Grenzsteine markieren \u00dcbergange, vielleicht von dieser in jene Welt.<\/p>\n<p>Ein Zeppelin schwebt \u00fcber eine in einem dichten und intensiven Farbspiel gestalteten Landschaft und wird zur Metapher f\u00fcr kindliche Neugier und den Drang, alles zu entdecken und erforschen. Ein gefalteter Papierflieger gleitet in diese Landschaft hinein, so, als h\u00e4tte Su-Koung ihn aus dieser Welt losgeschickt, um einen Gru\u00df zu senden an jene Welt der Kinder, mit der sie so intensiv in Verbindung steht. Su-Kyoung entdeckt diese verloren geglaubte Welt in ihrer k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung, in deren Rahmen ihre Arbeiten oftmals sehr intuitiv und spontan entstehen, als w\u00fcrde ihre Hand aus jenem Innersten gelenkt.<\/p>\n<p>Su-Koung ist eine Weltenreisende, eine in der Natur Suchende, ihre Welten sind Projektionen ihrer eigenen innersten Tr\u00e4ume und W\u00fcnsche. So entdeckt sich Su-Kyoung dabei selbst \u2013 das Selbst, in seiner urspr\u00fcnglichen Reinheit, noch nicht durch seine Umwelten gepr\u00e4gt und unterjocht, vertr\u00e4umt, neugierig, manchmal sch\u00fcchtern, unsicher und \u00e4ngstlich, immer auf der Suche und offen f\u00fcr Neues.<\/p>\n<p>In jener Welt sind diese Eigenschaften im Reinen geblieben. Su-Kyoung \u00f6ffnet diese Welt, betritt so diese Orte der Sehnsucht und Museen der Erinnerung, beleuchtet Vergangenes und zeigt, dass uns all dies, unsere innerste Welt immer begleiten, da sind im Hier und Jetzt. In einer Dichte aus Farben und Geschichten zeigt sie uns diese Welt und l\u00e4dt uns ein, einzutreten, zu entdecken und so m\u00f6glicherweise eine Br\u00fccke zum eigenen Selbst zu bauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus der Einf\u00fchrung von Joachim Albert, Ausstellung \u201cPh\u00e4nomen \u2013 Raum\u201d: Der Titel der Ausstellung liest sich zun\u00e4chst wie eine Pr\u00e4sentation, bei der es um die Erscheinungsformen von R\u00e4umen geht, tats\u00e4chlich jedoch darf man den Bindestrich zwischen den beiden Worten nicht \u00fcberlesen, durch den angedeutet wird, dass es dabei um &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2049,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2391"}],"collection":[{"href":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2391"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2391\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3268,"href":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2391\/revisions\/3268"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2049"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}