{"id":2265,"date":"2017-04-27T18:56:40","date_gmt":"2017-04-27T16:56:40","guid":{"rendered":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/?page_id=2265"},"modified":"2017-04-27T19:06:49","modified_gmt":"2017-04-27T17:06:49","slug":"reflection","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/su-kyoung-yu.de\/?page_id=2265","title":{"rendered":"Reflection"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center; margin-bottom: 37px; margin-top: -16px;\"><em>verfasst von Elke Hieronimus M.A., Kunsthistorikerin<\/em><\/p>\n<p><strong>Galerie im Kreishaus 13. Oktober 2005<\/strong><\/p>\n<p>Der Titel dieser Ausstellung &#8222;reflection&#8220; kennzeichnet eine neue Schaffensphase, die schon in der Ausstellung &#8222;Existenz&#8220; im Jahre 2002 in Kronberg erste Tendenzen erkennen lie\u00df.<\/p>\n<p>Diejenigen unter Ihnen, die mit der Malerei Su-Kyong Yus vertraut sind, werden sicher festgestellt haben, dass der Farbe wieder eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zukommt als bisher. Die Palette von \u00fcberwiegend Schwarz, Wei\u00df, Grau- und Blaut\u00f6nen ist um ein ganzes Spektrum an Farben erweitert worden.<\/p>\n<p>Wer Su-Kyong Yu noch nicht kennt, dem m\u00f6chte ich kurz einige biografische Informationen geben. Geboren wurde sie in S\u00fcd-Korea. Sie studierte an der renommierten Ewha Women&#8217;s University in Seoul traditionelle asiatische und freie Malerei.<\/p>\n<p>Nach dem Studium unternahm sie Reisen nach Europa. Seit 1990 lebt sie in Friedberg, wo 1993 ihr Sohn geboren wurde. Hier betreibt sie eine Malschule, mit der sie neben diversen Auftragsarbeiten, wie z.B. auch Buchillustrationen ihren Lebensunterhalt bestreitet.<\/p>\n<p>Da ihre Bilder weder eine gegenst\u00e4ndliche Orientierung geben noch ihnen eine abstrakte Komposition zugrunde liegt, m\u00f6chte ich sie mit dem Begriff &#8222;atmosph\u00e4rische Bildr\u00e4ume&#8220; charakterisieren.<\/p>\n<p>Wenn auch viele Arbeiten hier Assoziationen von Raum, Landschaft, Himmel oder Wasser erwecken, so sind sie doch keine Abstraktionen der sichtbaren Welt, sondern als eine Art Grundmuster einer ureigenen Wirklichkeit und Gedankenwelt zu verstehen, und sollten daher meiner Meinung nach als meditative Bilder verstanden werden.<\/p>\n<p>Die Grundlagen ihrer Malerei sind stark durch die traditionelle asiatische Malkunst gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Charakteristika der traditionellen asiatischen Malerei sind zum einen ein strenger Grundaufbau mit einem zentralem Fluchtpunkt und einer vertikal oder diagonal geteilten Bildfl\u00e4che, und zum anderen der immanente Symbolgehalt der Farben. Ganz entscheidend ist die Verkn\u00fcpfung mit den ostasiatischen Philosophien. So hat die unbemalte Fl\u00e4che oder der &#8222;wei\u00dfe Raum&#8220; eine metaphysische Bedeutung im Sinne des absoluten Seins, aus dem alles Leben entspringt und in das Nichts zur\u00fcckkehrt. Die Farbe beschreibt die &#8222;weltlichen Belange&#8220;, ihr entstr\u00f6mt der geistige Rhythmus des Werdens und Vergehens.<\/p>\n<p>Weiterhin werden besonders die Gestaltungsintentionen von der Aufhebung der Formgrenzen, sowie dem gleich berechtigten Nebeneinander von Gegens\u00e4tzen, wie den Prinzipien Yin und Yang hervorgehoben.<\/p>\n<p>Ich halte diese Aspekte f\u00fcr eminent wichtig, um zu einem besseren Verst\u00e4ndnis von Su-Kyong Yus Malerei zu kommen und m\u00f6chte daher noch etwas zu den philosophischen Ans\u00e4tzen erl\u00e4utern.<\/p>\n<p>Die Taoistische Philosophie und der Zen-Buddhismus begr\u00fcnden sich stark auf die Naturbeobachtung und haben dabei die Bedeutung der Fluktuation erkannt. Sie stellen die wechselseitige Abh\u00e4ngigkeit aller Aspekte der Wirklichkeit und die nichtlineare Natur ihrer Verkn\u00fcpftheit besonders heraus. Sie besagt u.a., dass die Umwelt nicht nur lebend ist, sondern wie wir selbst mit Geist begabt ist &#8211; einem, nach Laotse, kosmischen Geist.<\/p>\n<p>Der Taoismus steht f\u00fcr eine spirituelle Seinsebene. Der Grundgedanke &#8222;pantha rei&#8220; &#8211; &#8222;Alles flie\u00dft &#8222;verdeutlicht das Einssein mit allen Dingen der Natur. Durch Meditation sollten wir die F\u00e4higkeit erlangen in den Urgrund alles Entstandenen und Entstehenden zur\u00fcckzuflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch wenn Su-Kyong Yu \u00fcber ihre Arbeit spricht, beschreibt sie den Prozess als &#8218;im Fluss sein mit dem Entstehenden&#8216;. Sie arbeitet aus dem Unbewussten ins Bewusste.<\/p>\n<p>Auch ihre Aussage &#8222;Ich male nicht aus Spa\u00df oder Lust, sondern das BIN ich&#8220; best\u00e4tigt diesen Aspekt.<\/p>\n<p>So ist es nicht erstaunlich, dass je nach Lebensphase und Stimmung, die Bilder eher dramatisch und verschlossen oder offener und bewegt anmuten. Malen ist f\u00fcr sie Schicksalsbew\u00e4ltigung und -beeinflussung.<\/p>\n<p>Ihre Bilder sind immer in mehreren Ebenen angelegt, die die Betrachter jedoch im Unklaren dar\u00fcber lassen, wie diese Ebenen zu einander stehen &#8211; \u00e4hnlich optischen T\u00e4uschungsbildern, wie z.B. bei Escher.<\/p>\n<p>Die Raumillusion wird immer wieder durch gezielt gesetzte Br\u00fcche zur\u00fcckgenommen. Hier ein zuf\u00e4llig laufender Farbtropfen oder da, ein wie aufgerissen aussehendes St\u00fcck Leinwand, das den schweifenden Blick unterbricht.<\/p>\n<p>In immer neuen Variationen und Interpretationen entstehen optisch oft \u00e4hnliche Bilder, da im Prozess des Malens intuitiv Verkn\u00fcpfungen zu anderen Bildern entstehen. Sie beschreibt diesen Prozess als Raum, in dem sie sich im Geiste bewegt und dabei neue Perspektiven erschlie\u00dft. Diese Verschachtelungen weisen sehr subtil auf Nebenschaupl\u00e4tze im Bild hin, die in ihrer Andeutung allerdings entscheidend f\u00fcr die Gestaltung sind.<\/p>\n<p>Spirituelle und religi\u00f6se Inhalte werden thematisiert, z.B. Wiedergeburt, Unsterblichkeit der Seele, Diesseits und Jenseits. Sie k\u00f6nnen Hinweis und Erkl\u00e4rung sein f\u00fcr den oftmals dramatisch anmutenden Bildaufbau. Wie auch f\u00fcr das heraus brechende glei\u00dfende Licht, das die Dunkelheit aufbricht und gleicherma\u00dfen Symbol f\u00fcr Hoffnung und Trauer sein kann.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gelingt es ihr, diese zuvor genannten gegens\u00e4tzlichen Prinzipien Yin und Yang, die alle Lebensbereiche durchdringen, darzustellen &#8211; durch die Komplement\u00e4re Zufall und Ordnung, Licht und Schatten, N\u00e4he und Tiefe, die alle einander bedingen.<\/p>\n<p>Ihr gelingt hier eine Synthese abendl\u00e4ndischen Malstils mit asiatischer Philosophie.<\/p>\n<p>&#8222;Jede unserer Erkenntnisse beginnt bei den Empfindungen.&#8220; Dieser Satz Leonardo da Vincis kann kategorisch auf die Malerei Su-Kyong Yus bezogen werden.<\/p>\n<p>In einer so verstandenen Empfindung fallen Sinnlichkeit und Erkenntnis nicht auseinander, sie sind zusammen gebildet; Empfindung als Ausgangspunkt unserer Erkenntnis ist bedingt und bezeugt durch Farbe und Form. Diese Bilder k\u00f6nnen somit Modelle von Selbsterfahrung sein.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Arbeit ist eine Installation, die das vorher gesagte, also Empfindung und Erkenntnis auf eine andere Art veranschaulicht.<\/p>\n<p>In dieser Installation geht es um die Wahrnehmung eines Bildes, um eine Kontaktaufnahme \u00fcber den direkten Blick, so als wollte das Bild sagen &#8222;Ich sehe dich an, komm und sprich mit mir!<\/p>\n<p>Unser Blick allein entscheidet intuitiv und individuell, wie wir das Bild sehen, welches Bild in unserem Kopf entsteht.<\/p>\n<p>Als Betrachter stehen wir dem Bild nicht gegen\u00fcber, sondern treten im Prozess der Anschauung in das Bild ein. Das Auge blickt nicht allein auf das Bild, sondern es befindet sich ebenso gut in ihm.<\/p>\n<p>Die Erfahrung des Im &#8211; Bild -Seins und die Erfahrung eines bildlichen Gegen\u00fcbers sind ineinander geblendet.<\/p>\n<p>Diese widerspr\u00fcchliche Bilderfahrung, die im Anschauungsprozess vollzogene Einheit einer Innen- und Au\u00dfenerfahrung, aktiviert \u00fcber das Auge alle Sinne des Betrachters.<\/p>\n<p>Su-Kyong Yu dringt mit ihren Bildern in eine andere Ebene der Wirklichkeit vor, in eine Ebene die hinter dem materiell Erfahrbaren liegt, die dem sinnlichen Ausdruck verleiht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>verfasst von Elke Hieronimus M.A., Kunsthistorikerin Galerie im Kreishaus 13. Oktober 2005 Der Titel dieser Ausstellung &#8222;reflection&#8220; kennzeichnet eine neue Schaffensphase, die schon in der Ausstellung &#8222;Existenz&#8220; im Jahre 2002 in Kronberg erste Tendenzen erkennen lie\u00df. 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